IV. Anhang

Aus der Wirtschaftsgeschichte des Ortes

Der frühen und durch die Jahrhunderte hindurch stetig gebliebenen Besiedelung des Ortsbannes hat der Ort Nickenich seinen hohen Stand der Bodenkultur zuzuschreiben, der ihn vor allen anderen Pellenzdörfern auszeichnete. Von den 1 852 610 Ruten Acker- und Wiesenland, die zu Anfang des 18. Jahrh. (1720) in der Pellenz nutzbar waren, entfielen nämlich auf Nickenich allein 331 890 Ruten, also mehr als ein Sechstel der gesamten Anbaufläche. Dies hat u. a. seinen Grund in dem Fehlen einer größeren Industrie in Nickenich. Außerdem war der Ort früher der dichtest bevölkerte der Pellenz. Denn nach einer im Jahre 1563 erfolgten Bestandsaufnahme (Feuerbuch) zählte Nickenich 96 "Feuerstellen (Häuser bezw. Familien), eine Zahl, hinter der Kottenheim mit 72, Niedermendig mit 58, Plaidt mit 48, Wassenach mit 37 zurückblieben. Von diesen 331 890 Ruten waren 323 970 Ackerland und nur 7 920 Ruten Wiesen. Unberücksichtigt hierbei blieben Weinberge und das sog. Schiffelland.

Der Ackerbau überwog bei weitem alle anderen ländlichen Betriebszweige. Der Wiesenwuchs hatte in Nickenich wegen des kohlensauren Wassers, das die Wiesen bewässerte, keine günstigen Verhältnisse. Die allmähliche Entwicklung des Landausbaues in der Nickenicher Gemarkung läßt sich im Einzelnen quellenmäßig nicht darlegen. An die einstige Rodetätigkeit erinnern aber noch heute die Flurnamen "im Rodenberg", "am Rodenkreuz' und "im Priesterrod". Jedoch können wir sagen, daß um das Jahr 1600 der Landausbau im großen und ganzen soweit durchgeführt war, wie sich die heutige Gemeindeflur erstreckt. Ausnahmen davon machen die Fluren "Hauberg, Rausch, Burgerberg, Olk und Klei, jedoch auch diese nur zum Teil, da die Urkunden in ihnen neben Hecken auch bereits kultivierten Boden erwähnen.

Das Ackerland war zum Zweck der Steuern und zur Festsetzung des Zehnten in 4 Klassen eingeteilt, je nach der Güte des Bodens. Amtlich war der Ertrag pro Morgen Land auf 3 Malter Korn in der ersten Klasse errechnet. Diesen Ertrag erreichte auch das jeweils nur im zehnten Jahr genutzte Rottland, das sonst brach lag und dessen Heidekraut- oder Heckenaufwuchs eben nur alle zehn Jahre abgebrannt wurde. In Wassenach pflegte man auch das Rottland zweimal zu besäen. Feldweise angebaut wurden außer den verschiedenen Getreidesorten und Kartoffeln auch Bohnen und Erbsen, worauf die Flurbezeichnungen "in den Bohnenfeldern" und "im Erbsenstücke" (Erwysstuck) zurückweisen. Den einstigen Flachsanbau bezeugt der Flurname "im Flaisfeld" und der "Rutzen" im Orte selbst. Auf eine Tuchfabrikation im Ort scheint die Straßenbezeichnung an der Walkmühle" (1550) hinzudeuten.

Noch jetzt hat die Gemarkung ihren "Nickenicher Weinberg" und man erinnert sich wohl, daß vor einigen Jahrzehnten noch manches Haus in Nickenich mit einem Weinstock geziert war. Doch sind dies nur noch kümmerliche Reste von einem früher weit ausgedehnteren Weinbau zu Nickenich. Schon in der mehrfach genannten Urkunde des Jahres 1069 werden Weinberge in Nickenich erwähnt. Einst wuchs der "Nickenicher" in folgenden Lagen: im Affenberg (1550), im Acker (1394), auf Burtel (1528, 1760), im Bohnenfeld (1488, 1753), auf dem obersten Berg (1528), im Dohm (1528, 1613), an der Eckelshohl (1488), am Eckelspfad (1550), im Eltzberg (1604), auf der Hütte (1789). auf der Hohl (1528), im Ho(n)sberg (1754), im Kefler? (1774), im Kronenberg (1579, 1693), auf Loh (1528), im Londorf? (1617), auf der untersten Ley (1613), an der Mayenerstraße (1639), am Mühlwege (1581), auf dem Mäuerchen (1696), im Mertesacker (1754), im Muserich? (1563), am Nonnenpfad (1528), im Plaidterweg (1580), in den Pösten am Plaidterweg (1694), im Plentzer (1754), am Pferdschinder (1556, 1662), am Rinkerspfad (1564), am Rodenberg (1488, 1789), im Rosenthal (1528), im Sattel (1550), am Scheilt? (1609), im Säuberg (1528), im Schmengler (1528), auf dem Schneppert (1488) und im Zol (Zagell am freien Baum: 1580).

Die Weinanbaufläche zu Nickenich wird im 18. Jahrh. auf 110 Morgen angegeben; sie betrug also etwa den zwanzigsten Teil des Ackerlandes, (2024 Morgen). Rechnete man im Jahre 1340 mit einem Weinertrage von einem Fuder pro Morgen, so fehlen derartige bestimmte Angaben aus der Folgezeit. Zu Ende des 18. Jahrh. betrug der Zehntwein in Nickenich 3 Fuder 1/2 Ohm, in Wassenach 5 3/4 Ohm, so daß also in Nickenich damals über 30 Fuder geerntet wurden. Danach ist aber der Weinbau rapide zurückgegangen. 1822 wurden im ganzen Orte nur noch 8 Eimer (Ohm?) Rotwein geerntet. Pfarrer Haud, der sich noch 1755 einen Weinberg von 2038 Stöcken im heutigen Pfarrgarten anlegte. gibt zu, damit einen Fehler begangen zu haben, wie er auch allgemein darauf hinweist, daß die Besserung der Wingerte in Nickenich sehr nötig sei. Die Mißernten der Jahre 1763, 64, 65, 67, 68, 69, 70 und 71 werden den Bauern den Weinanbau gründlich verleidet haben.

Der Ausschank von Wein war Sache der von der Leyenschen und Bürresheimsdien Wirte (Bannzapf). Als erste nachweisbare Wirtschaft wird die des Servatius Funk im 18. Jahrh. erwähnt. Sie lag gegenüber der Burg und ist auch als Gründungslokal des Schützenvereins (1742) erwähnenswert. Daß der Wirtschaftsbetrieb durch kirchliche Vorschriften sehr in Schranken gehalten wurde, mag eine nach Nickenich ergangene Verfügung der erzbischöflichen Behörde erläutern, die den Ausschank während des Gottesdienste unter exemplarische Strafe stellte.


 
Nickenich in der Pellenz, Seite 50 bis 56 Index Vorherige Seite Nächste Seite

Ein Bibelzitat: Wachet, steht im Glauben, seid mutig und seid stark! [1. Korinther 16,13]




Links
Kerzendesign in Nickenich

www.st-arnulf.de