Pfarrer Schulz

Titelbild vom Buch

Weil er Göring nicht grüßte

Das Schicksal des saarländischen Pfarrers Johannes Schulz

Dokumentation
einer spontanten Reise in die Vergangenheit

von Albrecht Zutter und Richard Elsigk

ISBN 3-928030-22-1; © 1995 Wassermann Verlag; Postfach 2068, 66370 St. Ingbert.


Zeitungsartikel über das Buch

St. Ingbert, Pfingsten 1995 - Nr. 128

Weil er Göring nicht grüßte, kam Pfarrer Schulz ins KZ
Der St. lngberter Albrecht Zutter schildert in seinem neuen Buch das Schicksal eines saarländischen Seelsorgers
Von unserem Mitarbeiter EMIL DILLMANN

St. Ingbert. Mit kriminalistischem Spürsinn haben Albrecht Zutter (St. Ingbert) und Richard Elsigk (Dudweiler) den Lebens- und Leidensweg eines saarländischen Pfarrers nachverfolgt. Und es liest auch wie ein spannender Krimi, was bei ihren langwierigen und schwierigen Recherchen herausgefunden haben. "Weil Göring nicht grüßte", so der Titel des jetzt erschienenen Buches, kam Pfarrer Johannes Schulz ins Konzentrationslager Dachau.

Sachlich berichtend, reportageartig, werden dem Buch die Personen und Ereignisse geschildert, daß hinter den äußeren Begebenheiten auch die inneren Beweggründe und die zeitgeschichtlichen Zusammenhänge erkennbar werden. Albrecht er, Autor des Buches, hat das gemeinsam mit Richard Elsigk recherierte "Material" sowohl zur fesselnden Lektüre, als auch zum informativen Tatsachenbericht gemacht, in dem es einleitend heißt: "Johannes Schulz (damals Pfarrer im Eifeldorf Nickenich) und der Pfarrer des Nachbarortes Wassenach, Josef Zilliken, saßen an jenem Nachmittag (27. Mai 1940) auf der Terrasse des Hotels und Ausflugslokals Waldfrieden, als unerwartet der damalige Generalfeldmarschall Göring in Begleitung einiger Offiziere erschien, um ebenfalls dort Platz zu nehmen. Während die Ankömmlinge von den übrigen Gästen mit 'Heil Hitler' gegrüßt wurden, nahmen die beiden Pfarrer keine Notiz von Göring. Am Abend desselben Tages wurden beide von der Gestapo verhaftet."

Pfarrer Josef Zilliken wird in dem Buch als kompromißloser Gegner der nationalsozialistischen Ideologie geschildert. Pfarrer Johannes Schulz ist jedoch, ohne ihn zu heroisieren, der tragische "Held" der Handlung. Geboren am 3. April 1884 in LuisenthaI war er nach der Priesterweihe (1911) Kaplan in Lebach und Wadgassen, Divisionspfarrer im Ersten Weltkrieg, danach Kaplan in Bous. Pfarrer in Derlen und ab Sommer 1935 Pfarrer in Nickenich am Laacher See.

In allen diesen Orten haben Zutter und Elsigk dem Wirken von Pfarrer Schulz und der Erinnerung an ihn nachgefragt und sehr unterschiedliche Antworten erhalten. Albrecht Zutter: "Mit Sicherheit läßt sich behaupten, daß er von seinem Amt überzeugt, von seiner Aufgabe erfüllt war. Den Anforderungen, die er an sich stellte, entspricht sein Eifer ebenso wie seine Bereitschalt zur Unterstützung Bedürftiger."

Bereits 1937 hatte die Gestapo eine Akte über ihn angelegt, weil er Göring nicht grüßte, ist wohl nur das auslösende Moment für seine längst beschlossene Verhaftung und KZ-Inhaftierung gewesen.

Ausführlich beschreibt Albrecht Zutter das Konzentrationslager Dachau und den Block 28, in dem Johannes Schulz der Gefangene Nr. 22541 war. Ab Frühjahr 1942 arbeitete er auf dem an das Lager angrenzenden riesigen Moorgebiet. Völlig entkräftet kam er am 5. August 1942 ins Lagerkrankenhaus, nach Aussage eines Mitgefangenen wurden ihm beide Beine amputiert. Am 19. August 1942 starb Pfarrt Johannes Schulz, zwei Monate später war auch der ebenfalls in Dachau inhaftierte Pfarrer Josef Zilliken tot.

Albrecht Zutter hat das von ihm verlaß, mit zahlreichen Fotos und Dokumenten ausgestattete Buch "Weil er Göring nicht grüßte" in seinem St. Ingberter Wassermann Verlag herausgebracht. Erhältlich ist das Buch in allen St. Ingberter Buchhandlungen.


Ansichtskarte des Lokals 'Waldfrieden' von 1935
Ansichtskarte des Lokals "Waldfrieden" von 1935

Paulinus vom 26.07.1992

Priesterliche Pflichterfüllung bis in den Tod

Auch Geistliche aus dem Bistum Trier kamen vor 50 Jahren in Dachau ums Leben

Am 12. August 1942 starb im Konzentrationslager Dachau Joseph Bechtel, Pfarrer von St. Cyriacus in Niedermendig (heute: Mendig). Er wurde mit seinem Kaplan Peter Schlicker am 9. Januar 1941 verhaftet, wegen der Betreuung eines Sterbenden, der mit einer geschiedenen Frau standesamtlich verheiratet war. Über das Schicksal der beiden Geistlichen berichtet in vorzüglicher Weise die Broschüre von Pfarrer Michael Hoellen, "Pfarrer J. Bechtel, Kaplan P. Schlicker. Mendiger Märtyrer. Ihr Leben, Leiden und Sterben" (Johannes-Verlag Leutesdorf, 1991).

Aber Joseph Bechtel blieb nicht der einzige Priester, der während des Sommers 1942 im KZ Dachau starb. Ihm folgten:

- am 19. August Johannes Schulz, Pfarrer von Nickenich,
- am 23. August Wilhelm Caroli, Pfarrer i. R., zuletzt in Kottenheim,
- am 3. Oktober Josef Zilliken, Pfarrer von Wassenach.

Kaplan Peter Schlicker überstand zwar die Leidensjahre des KZ, er wurde in der Karwoche 1945 entlassen, starb aber an den Folgen der Haft schon wenige Wochen später, am 19. April 1945.

Das alles muß gesehen werden im Gesamtbild des KZ: in seinem sogenannten "Priesterblock" haben insgesamt 2614 Priester gelebt; davon starben an Hunger und Entkräftung 703, unter ihnen 418 deutsche Priester; die übrigen waren aus den anderen von der deutschen Wehrmacht besetzten Gebieten, vor allem aus Polen. Der Sommer 1942 brachte die Mehrzahl der Sterbefälle. Danach wurde die Behandlung der (deutschen) Priester gemildert. Vor allem wurde die Sendung von Paketen erlaubt, was vielen, so auch Kaplan Schlicker, überleben half.

Der Schreiber dieser Zeilen hat als Pfarrverwalter von Niedermendig (Februar 1941 bis November 1945) das Leiden dieser Geistlichen aus der Ferne gewissermaßen miterlebt; er war unmittelbar Zeuge der großen Trauergottesdienste für einen jeden dieser vier beziehungsweise fünf Priester; es waren jedesmal ergreifende Feiern unter Assistenz von 40 bis 50 Geistlichen in vom gläubigen Volk überfüllten Kirchen. Schon damals sahen wir in ihnen Märtyrer ob ihrer priesterlichen Pflichterfüllung in der Treue bis in den Tod.

Wäre es jetzt nicht Zeit, an ihre Seligsprechung zu denken? Das kann freilich nicht nur für Bechtel und Schlicker allein geschehen; bei ihnen war der Grund der Verhaftung sicher am eindeutigsten ihr priesterlicher Dienst an einem Sterbenden. Aber alle wurden verhaft, nach Dachau gebracht und mußten dort hungern und sterben - letztlich weil sie Priester waren.

Man müßte also an die Seligsprechung aller denken, das heißt wenigstens an die der 110 deutschen Priester (ohne die anderen, vor allem die polnische, zu vergessen!). Über die zwei "Märtyrer" aus Mendig unterrichtet M. Hoellen in der erwähnten Publikation; über die anderen liegt die umfassende Dokumentation vor, die im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz Ulrich von Hehl herausgegeben hat: "Priester unter Hitlers Terror. Eine biographische und statistische Erhebung" (Mainz: Matthias Grünewald-Verlag, 1984).

Der 50. Jahrestag des Todes des ersten dieser vielen Geistlichen auch und gerade aus unserem Bistum ruft uns aut das Geschehen von damals nicht zu vergessen, dafür einzutreten, daß die nötigen Schritte getan werden zu einer eventuellen Seligsprechung. Vor aller aber sollten wir Gott, den Herrn, bitten, er möge uns das Leben und Sterber' dieser Priester schenken als von der Kirche anerkanntes Beispiel für priesterliche Treue bis in den Tod.

P. Burkhard Neunheuser OSB


Lebenslauf   -   Gedenktafel   -   Buch   -   Neue Erkenntnisse   -   25 jähriges Priesterjubiläum   -   Predikt Bischof Dr. Reinhard Marx   -   Kreuzwegstationen.pdf   -   Totenzettel   -   Eine Welt ohne Gott   -   Gebete   -   Messdiener zu Besuch   -   Predigt   -   Schulentlassung 1938


Ein Bibelzitat: Ich will mich freuen des Herrn und fröhlich sein in Gott, meinem Heil. [Habakuk 3, 18]




Links
Bilder aus Nickenich

www.st-arnulf.de